Erleben und Erfahren mit Sven

In meiner Reihe Stadtchick entdeckt die Bergwelt gabs am Wochenende eine neue Episode, welche erneut ganz im Zeichen des Kletterns stand… oder sagen wir in meinem Fall mal lieber im Schneckentempo raupenartiges Hochruckeln an einer Felswand.

Begleitet wurde ich gleich von zwei Führern:
Sven, dem bergerfahrenen Licht- und Jürg, dem schweigsamen Plaisir-Fachmann. Was braucht die heutige durch die vielfältigen Möglichkeiten leicht orientierungslose Frau mehr als Licht, Plaisir und rechte Führung?

Den Samstag verbrachten wir auf dem Sustenbrüggli. Sogar die 6a Kletterroute war im Vergleich zum Camel Trophy Weg von Einstieg zu Einstieg fast ein Kinderspiel. Mir wurde die Verwendung des Achters erläutert und mein neuer persönlicher Freund vorgestellt: die Babybandschlinge. Sollte ich es nicht hinkriegen, mich fortzupflanzen, besorge ich mir ein paar von den Teils… Zudem bemerkte ich, dass ich in der Physik ausser der Wärmetechnik hätte aufpassen sollen. Aber die im Leben gelangweilte Informatikerin unternimmt anscheinend heute alles für ein bisschen Adrenalin und ein paar Schrammen, die man stolz seinen noch langweiligeren Informatikerkollegen vorweisen kann…

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Für die abendliche Verpflegung sorgte das Grimsel Hospiz. Eher gepflegtes Ambiente, in das man aber ohne Probleme in den vollgeschweiselten Kletterklamotten, Magnesium im Haar und Dreck unter den Fingernägel eindringen darf. Jedenfalls den Locals zu Folge. Zum Abschluss gabs nen Apfel-Dreier passend zu unserem Trüppchen. Um den Bergen unsere Ehrfurcht zu zollen, gings anschliessend noch zu einem kurzen Stossgebet in die nebenan liegende Kirche mit Wohnzimmercharme.

Übernachtet wurde auf dem Grimselpass im Grimselpass in einem farblich mit dem WC und der Dusche abgestimmten Himmelbett mit Soundmachine. Dummerweise konnte man den Sound nicht wählen. Sie hat nur ein Programm…

Am Sonntag gings zuerst an den Räterichsbodensee. Plattenkletterei. Ich erlernte einen neuen Kletterstil: Orang-Utan. Nicht sonderlich attraktiv, aber relativ wirkungsvoll. Zudem testete ich die Reaktionsgeschwindigkeit der anderen Kletterer am Hang durch Express nach ihnen werfen… Sie bestanden den Test. Der Express auch.

Immer wieder beeindruckend ist der Kleidungsstil der Klettergemeinde. Neben den tonnenweise voll hippen Mammut/Prana/undsoweiter – Klamotten trifft man immer wieder auf Leute, die ihre Ausrüstung vermutlich in meinem Geburtsjahr erstanden haben. Jedenfalls scheints auch mal Kletterklamotten in pfefferminz mit gelben und dunkelgrünen Dreiecken gegeben zu haben. Unglaublich vintage!

Der zweite Teil und Abschluss des Sonntagsprogramms führte uns in die Hölle. Offenbar waren die Gestalter dieser Kletterrouten entweder knapp bei Kasse und daher knauserig mit Expresshaken oder wollten dem Namen auch etwas Nachdruck verleihen. Jedenfalls war nun der Froschkletterstil gefragt. Saugnäpfe wären vielleicht auch nicht so übel gewesen, da die als Tastendrücker schwach ausgeprägte Hornhaut an den Fingerspitzen heftig leidete. Aber auch diese Hürde überwunden wir tapfer. Wir erlaubten uns sogar auf dem Nachhauseweg an dem Lager der Taliban vorbeizufahren!

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