Brief an den Gärtner

Mein lieber Gärtner

Jetzt wohne ich bereits so gut wie zwei Jahre in meiner kleinen Höhle (= Parterrewohnung im Herzen Wipkingens). Letztes Jahr hab ich von Dir sozusagen gar nichts mitgekriegt. Du hast – glaub ich – ab und zu mal den Rasen gemäht und drei Pflänzchen gestutzt, die es sich erlaubt haben, über den Weg zu wuchern.

Heute komme ich also heim und will meinen Ferrari (= mein Fahrrad) auf meiner Terrasse parkieren und entdecke meine bis anhin schon fast urwaldmässig überwucherte Gartenecke sozusagen fast vollkommen “kahlrasiert”. Alle Hecken sind nur noch halb so hoch und alle sonstigen Gebüsche auf ein mageres Gestrüpp mit drei Blättern zurecht gestutzt.

Die Wohnung erscheint nun in hellem Licht… Einerseits ja sehr schön. Andererseits kann ich ja nicht nur wieder raus gucken. Die Nation kann mir jetzt auch definitiv in die Hütte gucken. Ein etwas entblössendes Gefühl.

Muss ich mir jetzt wirklich ernsthafte Vorhänge besorgen? Oder kann ich mich in meiner eigenen Wohnung nun nur noch im Bad umziehen? Oder soll ich mir so ein Raumteilerdings besorgen, was die lasziven Damen im Film immer haben?

Einmal mehr: Fragen über Fragen. Und dabei hab ich Dir nicht mal bei Deiner Arbeit zu sehem können… Gopf!

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